Wachstum ist nicht alles. Gesellschaftlichen Fortschritt ins Zentrum rücken
Anlässlich der aktuellen Verkündung der Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) durch das Statistische Bundesamt erklärt Daniela Kolbe (SPD), designierte Vorsitzende der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestags:
„Die neuen Zahlen zum Wirtschaftswachstum sind grundsätzlich erfreulich. Es ist gut, dass die deutsche Wirtschaft um 3,6 % gewachsen ist und damit die tiefe Rezession von 2009 offenbar überwunden ist.
Dennoch mahne ich zur Vorsicht. Denn das Bruttoinlandsprodukt, dessen Wachstum wir jetzt bejubeln, hat viele blinde Flecken. Auch der epochalen Wirtschafts- und Finanzkrise gingen Jahre kontinuierlich ansehnlichen Wirtschaftswachstums voraus. Das Bruttoinlandsprodukt konnte uns diese schlimme Krise nicht voraussagen. Das BIP-Wachstum schweigt auch darüber, wer welchen Anteil am Zuwachs des verfügbaren Einkommens hat und wie unsere Umwelt unter der ansteigenden Produktion leidet. Auch die Werte, die jenseits des Marktes geschaffen werden, etwa in der Familie oder durch öffentliche Dienstleistungen, bildet das BIP nicht hinreichend ab.
Wir brauchen daher einen neuen Begriff von Wachstum, der auch berücksichtigt, wie Wohlstand verteilt ist und ob er nachhaltig ist. Ein neuer Begriff von Fortschritt muss qualitativ sein und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger ins Zentrum rücken. Denn oft klaffen die Wachstumszahlen der Statistiker und die Zufriedenheit der Menschen auseinander.
Für diesen neuen Begriff gesellschaftlichen Fortschritts braucht die Politik auch eine neue Messzahl, neben dem BIP. Ich freue mich auf die Herausforderung, diese Frage in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“, die sich am 17. Januar konstituiert, mit den Abgeordneten aller Fraktionen und renommierten Sachverständigen anzugehen.“
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