Zukunftswerkstatt Familie – Politik für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Kinderarmut
Daniela Kolbe betont Notwendigkeit des Ausbaus des Betreuungsangebots.
Am 12. Juli veranstaltete die sächsische SPD-Fraktion im Rahmen der „Zukunftswerkstatt Familie“ ein familienpolitisches Forum. Etwa 40 Gäste folgten der Einladung ins Leipziger Richard-Lipinski-Forum, um über Themen wie die wirksame Bekämpfung von Kinderarmut oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu diskutieren.
Zunächst bezogen Mecklenburg-Vorpommerns Ministerin für Soziales und Gesundheit, Manuela Schwesig, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Martin Dulig, Dr. Steffen Kröhmert vom Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung und Ines Falkenhan vom Familienstadt Leipzig e.V. auf dem Podium Stellung zu familienpolitischen Fragen. Anschließend beteiligten sich auch die zahlreichen Gäste an der Diskussion.
Dr. Steffen Kröhmert zeigte zu Beginn den Zusammenhang zwischen konservativer Familienpolitik und niedrigen Geburtenraten auf. Länder wie Spanien oder Italien, in denen die Berufstätigkeit von Frauen von staatlicher Seite nur wenig gefördert wird, verzeichnen europaweit die geringsten Geburtenraten. Demgegenüber erreichen Frankreich und die skandinavischen Länder – alles Staaten, die viel für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun – europäische Spitzenwerte bei den Geburtenziffern. Der Wissenschaftler zeigte aber auch die Grenzen der Familienpolitik auf und verwies auf Helmut Schmidt, der 1979 erklärte, es stehe dem Staat nicht zu, die Geburtenentwicklung beeinflussen zu wollen. Daran anknüpfend betonte Martin Dulig, dass familienpolitische Debatten nicht unter demografischen Gesichtspunkten geführt werden dürften. Anschließend setzten sich die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt mit konkreten familienpolitischen Maßnahmen auseinander. Ines Falkenhan unterstrich die Bedeutung des Ausbaus von Qualifikationsmöglichkeiten während der Elternzeit sowie flexibler Arbeitszeiten für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In der Diskussion über Kinderarmut sprach sich Daniela Kolbe für eine Ausweitung universeller Leistungen für Familien aus: „Der größte Vorteil eines Ausbaus der Betreuungsinfratsruktur liegt darin, dass die Maßnahmen direkt bei den Kindern ankommen. Darüber hinaus brauchen wir materielle Leistungen, um die Kinderarmut wirksam zu bekämpfen“. Für Manuela Schwesig ist dies nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der ökonomischen Vernunft. Schwesig sprach sich außerdem für eine bessere Unterstützung Alleinerziehender aus und forderte einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden.
Deutlich wurde, dass eine zeitgemäße Familienpolitik nicht umhin kommt, sich für mehr Chancengleichheit einzusetzen – sowohl zwischen den Geschlechtern als auch zwischen Arm und Reich.
